Bildsprache: Keith Haring nutzte sein eigenes Alphabet

Keith Harings Bildsprache ist einzigartig und universell einsetzbar, wie hier am Strand von Tel Aviv.

Kennen Sie Werke des US-Künstlers Keith Haring? Auch wenn sich Ihnen der Name des Künstlers nicht eingeprägt hat, werden Sie bestimmt seine Kunstwerke erkennen, wenn Sie sie sehen. Mittlerweile begegnen uns seine Motive, seine Bildsprache, seine Icons von Hunden oder Babys, fast überall.

Wir finden sie auf Speisekarten, an Häusermauern, auf T-Shirts oder am Strand von Tel Aviv, wo ich die Fotos aufnahm.

Heute, am 4. Mai 2018, wäre Keith Haring 60 Jahre alt geworden. Leider verstarb er viel zu früh im Alter von nur 31 Jahren. Zurück lies er uns nicht nur seine Kunstwerke, sondern seine ausdrucksstarke Bildsprache: Seine Bilder und Figuren sind immer noch modern, zeitlos und oft kopiert.

Keith Haring ist ein ideales Beispiel, um gut funktionierende Bildsprache in der Praxis aufzuzeigen. Kaum ein anderer Künstler nutzte und entwickelte in seinem Lebenswerk mithilfe von Icons eine so unverwechselbaren Bildsprache, wie Keith Haring.

Einzigartige Bildsprache von Keith Haring

In Keith Harings Werken tauchen Elemente wie etwa die Comic-Figur Mickey Mouse immer wieder auf. Zusammen mit seinem Vater begeisterte er sich für Comics und liebte Zeichentrickfilme. Bereits in seiner Kindheit zeichnete er Cartoons und kreierte als Jugendlicher eigene Comic-Figuren. In Pittsburgh begann er zunächst eine Ausbildung zum Grafiker. Von dort aus zog es ihn die Weltstadt New York, wo er die School of Visual Arts besuchte.

Neben den Comics inspirierten Keith Haring war von altägyptischen Hieroglyphen. Die Bildsprache der Ägypter waren sicherlich eine Inspirationsquelle, die Haring dazu brachte, seine eigene Kommunikationsform, zu entwickeln:

Keith Haring ist ein deutliches Beispiel für Bildsprache. Seine visuelle Sprache der Symbole, Icons und Piktogramme ist unverwechselbar. Sie kommt mit sparsamen Zeichen und Linien und kräftigen Farben aus.

Lesen Sie im Glossar die Erklärung zu Visual Storytelling.

„Innerhalb aller Formen wohnt eine Grundstruktur mit wenigen Linien, die auf das Gesamtobjekt hinweist und selber zum Symbol wird“, sagte Keith Haring 1978.

Haring glaubte, dass seine Linien „wie die ägyptischen Hieroglyphen und die Piktogramme der Maya und Indios jede Oberfläche bedecken können”.

Lichtinstallation am Strand von Tel Aviv nach dem Vorbild von Keith Haring und seiner Bildsprache.

Lichtinstallation am Strand von Tel Aviv nach dem Vorbild von Keith Haring und seiner Bildsprache.

Zudem verwendetet er immer wiederkehrende Elemente, Icons und schafft sich mittels derer quasi ein Alphabet. Sehen wir uns etwas das krabbelnde Baby an, das von einem Strahlenkranz umgeben ist. Für den Künstler Haring ist es ein „Sinnbild für Leben, Energie, Glück und die positive Seite des Menschseins“.

Seine Bildzeichen (Formenvokabular) kombinierte er frei, ohne grammatikalische Regeln. Als Grundgesetzt ist die klare und einfache seiner Bildsprache zu erkennen. So sind seine Figuren und Bilder mit einfachen Umrisslinien auch im Vorbeifahren schnell und intuitiv zu verstehen. Dies ist umso wichtiger, das seine ersten Ausstellungsflächen ungenutzte Werbeflächen der New Yorker Metro waren. Of die Männchen hopsen oder tanzen, Harings Metaphern sind immer doppeldeutig und als Sprache universell einsetzbar.

Wie andere Pop Art Künstler, entnimmt auch Haring seine Piktogramme der Alltagskultur und bindet diese in seine Bildsprache ein: Ob Micky-Maus mit Dollarzeichen in den Augen oder bellende Hunde, seine Icons werden auch heutzutage noch geliebt.

Die Verwendung von Archetypen

Graffiti-Künstler Keith Haring spricht mit seinen Bildern Archetypen an: Als Themen bedient er sich aus der Palette der großen Ur-Themen wie Liebe, Gewalt, Geburt, Tod, Gut und Böse. Auch Harings Figuren stehen für Archetypen der menschlichen Existenz und Bedürfnisse. Sie nehmen unterschiedliche Positionen ein, wie der Liebende, der Angreifer etc. und symbolisieren somit Haltung und Verhalten.

Dr. Jürgen Döring, Leiter der Abteilung Grafik hier am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, schreibt über Keith Harings Bildsprache: „Seine Themen sind die großen Themen des Lebens: Liebe und Sex, Gewalt und Tod. Er entwickelt Kürzel für Hunde und Engel, für Gut und Böse. Oft meint man, diese Bilder seien schnell zu erfassen, weil sie aus scheinbar einfachen Linien bestehen, muss aber bald eingestehen, dass sie sich fast immer der Eindeutigkeit und verbalen Festlegung entziehen.

Keith Harings Zielgruppe: Kunst für Jedermann

Keith Harings schafft mit seinen Bildern und seiner visuellen Sprache das, was kaum einer Marke gelingt: er spricht quasi ALLE an. Laut Keith Haring ist „Kunst ist für jeden.“ So nutze er bewußt in New York die Untergrundbahn für seine Graffitizeichnungen, um seine Kunst zu den Menschen zu bringen.

Für seine Zeichnungen entwickelte er wie eine Art Universal-Code, mit dem er die Pendler New Yorks erreichen wollte. Fakt bleibt: Bis heute hat er weltweit unzählige Menschen jeden Alters angesprochen. Seine Bildsprache wirkt so gut, dass sie tausendfach kopiert wird.

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