Gespräch mit Microsofts Storyteller Felix Böpple: Durch Storytelling wird ein Unternehmen und seine Produkte greifbar

Felix Böpple - Communications Manager Digital Storytelling
bei 
Microsoft Deutschland

Vor einigen Jahren gab es Berufe wie den Chief Digital Officer oder den Content Captains nicht. Obwohl der Beruf eines Geschichtenerzählers recht alt ist, denken wir nur an den Minnesänger oder den Barden im Mittelalter, wird die Stelle eines Storytellers erst in den letzten Monaten als Stelle ausgeschrieben. Ich sprach mit Felix Böpple, Communications Manager Digital Storytelling bei Microsoft, über seinen Beruf und den Einsatz von Storytelling bei Microsoft Deutschland.

Pia: Lieber Felix, in Ihrer Berufsbeschreibung beispielsweise auf LinkedIn wird folgende Berufsbezeichnung angegeben: Communications Manager Digital Storytelling bei Microsoft Deutschland. Was macht ein Digital Storyteller?

Felix: Meine Aufgabe innerhalb unseres Kommunikationsteams besteht aus zwei großen Teilen. Zum einen diene ich meinen Kollegen als Sparringspartner. Wir entwickeln dann gemeinsam Ideen, wie wir unsere Geschichten zeitgemäß erzählen können. Also welches Format passt zu welcher Geschichte, wie müssen wir die Story aufbereiten, damit sie optimal für diese Plattform passt. Außerdem bin ich Kanalverantwortlicher für unseren Microsoft Deutschland Presseblog.

Pia: Storytelling ist ein neues Berufsfeld. Wie bereitet man sich Ihrer Meinung nach auf diesen Job bestenfalls vor?

Felix: Zwei Aspekte sind als Storyteller wichtig: Zum einen sollte man Lust darauf haben, Geschichten zu erzählen, Neues auszuprobieren und dabei keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Zum anderen sollte man auch strategisch an das Thema Storytelling herangehen und analysieren können, welche Kommunikationsziele verfolge ich oder meine Organisation und welche Plattform hilft mir dabei, diese Ziele zu erreichen..

Pia: Wie wichtig ist für Microsoft Storytelling? 

Felix: Das Mediennutzungsverhalten hat sich in den letzten 15 Jahren durch Social Media und Smartphones so stark verändert, wie wahrscheinlich in den gesamten 60 Jahren zuvor nicht. Für uns als Unternehmen ist es daher wichtiger denn je, unsere Themen und Inhalte so zu präsentieren und zu erzählen, dass wir unsere Zielgruppen bestmöglich erreichen. Das heißt dann zum Beispiel, dass wir für Videos für Social Media, Themen auf 30 Sekunden herunterbrechen. Gleichzeitig gibt es natürlich aber auch Themen, die mehr Raum benötigen. Für uns stellt sich also die Frage: Wie können wir diese Geschichten so erzählen, dass wir nicht an unserem Publikum vorbei kommunizieren? Erfolgreich umgesetzt hat dies beispielsweise eine Kollegin mit einer Podcast-Serie zu unserem neuen Office in Schwabing und unserer damit verbundenen Unternehmenskultur. So können wir außerdem neue Zielgruppen gewinnen.

Pia: Entwickeln und führen Sie Ihre Storys alleine oder in einem Team, mit einer Agentur aus? 

Felix: Das unterscheidet sich je nachdem, welche Projekte wir umsetzen. Grundsätzlich unterscheiden wir in unserer Kommunikationsabteilung nach Content Captains, die die Kommunikationshoheit über bestimmte Themen haben und Channel Captains, die die Hoheit über unsere Kommunikationskanäle haben und die Content Captains dabei unterstützen, ihre Inhalte für unsere einzelnen Kanäle zu optimieren. Daher arbeiten wir immer in agilen Teams. Bei der Ausführung der einzelnen Maßnahmen arbeiten wir je nach Projekt auch mit Agenturen zusammen.

Pia: Und was fasziniert Sie so am Storytelling?

Felix: Storytelling geht über klassische (Produkt-)Kommunikation hinaus und konzentriert sich auf die Frage: Warum? Es gibt z.B. mit Hilfe von Anwendungsfällen eine Antwort darauf, welchen Unterschied unsere Produkte in der Arbeitswelt und im Privatleben unserer Kunden macht, warum wir diese Produkte also entwickeln und überzeugt von diesen sind. Durch Storytelling wird ein Unternehmen und seine Produkte greifbar.

Pia: Haben Sie Ihren eigenen persönlichen Erzählstil entwickelt – und wenn ja, wie sieht dieser ein?

Felix: Das ist eine gute Frage, vielleicht nimmt auch eher der Leser einen persönlichen Erzähl-Stil wahr, als man es als Urheber selbst tut. Wenn ich auf etwas achte, dann, dass ich Geschichten immer möglichst aus einer persönlichen Perspektive erzähle.

Felix Böpple, Storyteller by Microsoft

Felix Böpple, Storyteller by Microsoft

Pia: Welche Storytellingtools sind Ihre Lieblingstools?

Felix: Wir nutzen verschiedene Tools, um unseren Content aufzubereiten und zu verbreiten. In der Produktion setzen wir auf die Adobe Creative Suite, vor allem Photoshop, Premiere und Auditions. Um den Content aufzubereiten und zu spielen, nutzen wir unter anderem auch Sway, das uns Möglichkeiten bietet, multimediale Projekte umzusetzen. Seit ungefähr einem Jahr setzen wir außerdem eine eigene Lösung ein, um multimediale Feature-Stories zu kreieren. Unsere Podcasts vertreiben wir über Soundcloud und iTunes.

Pia: Und welches Equipment nutzen Sie?

Felix: Wir sind gerade dabei, unser Equipment auf den neuesten Stand zu bringen und arbeiten dabei mit dem Microsoft Partner Live Arena zusammen. In Zukunft werden dann moderne Camcorder zum Einsatz kommen im Zusammenspiel mit Funkstrecken. Das Set-Up umfasst außerdem eine Lösung, mit der wir mit mehreren Kameras live streamen können.

Pia: Sie sind nun im Bereich Communications bei Microsoft angesiedelt. Inwieweit ist Storytelling dort innerhalb der Kommunikationsstrategie angesiedelt?

Felix: Unser Ziel ist es, zu allen Bereichen und Themen, plattformgerechten Content zu produzieren. Das kann dann zum Beispiel in Form von VideosStoriesPodcasts oder auf unseren Social Media Kanälen passieren. Wir nennen das Content Studio: Bei größeren Kommunikations-Projekten stellen wir innerhalb dieses Content Studios ein Experten-Team zusammen, das den vorhandenen Content plattformgerecht aufbereitet.

Pia: Erzählen Sie Ihre Storys sowohl für Endconsumer als auch für Business-Kunden (C2B)?

Felix: Genauso wie unsere Produkte zielt auch unsere Kommunikation auf verschiedene Zielgruppen. Meistens definiert schon der Kommunikationsanlass, ob wir unsere Story für Consumer- oder Commercial-Kunden erzählen. Wenn wir uns jetzt zum Beispiel unser Storytelling rund um Messen ansehen, konzentrieren wir uns im Umfeld der IFA auf Consumer und bei einer Hannover Messe Industrie auf Commercial.

Pia: Wie sehen Ihrer Meinung nach gute Storys aus?

Felix: Ich glaube nicht, dass es für jede Story eine Blaupause gibt. Aber natürlich kann man sich immer an Leitmotiven orientieren. Mir persönlich gefällt hier die Idee der typischen Heldenreise, wobei in unserem Umfeld das Wort „Held“ natürlich nicht wörtlich gesehen werden darf. Aber das Grundgerüst lässt sich auch auf die Unternehmenskommunikation anwenden, etwas in der stark vereinfachten Form „Problem -> Lösung“.

Nicht erfolgreiche Stories sind nicht automatisch schlechte Stories. Vor allem, wenn man neue Formate und Plattformen bespielen möchte, darf man sich nicht vorschnell entmutigen lassen. Ausdauer macht sich oft bezahlt.

Pia: Und wer ist meistens der Held Ihrer Storys – die Produkte, die Markte oder der Konsument?

Felix: Das entwickelt sich meistens im kreativen Prozess. Grundsätzlich wollen wir aber immer in den Mittelpunkt stellen, was Technologie unseren Kunden ermöglicht. Dabei muss nicht unbedingt das Produkt im Mittelpunkt stehen, sondern kann eher als Tool in der Story auftreten, mit der der eigentliche Held sein Problem lösen kann.

 Pia: Microsoft entwickelt ja gerade mit HoloLens einige bahnbrechende neue Werkzeuge, um Storys neu und anders zu erzählen. Wie sieht Ihrer Meinung nach das Storytelling der Zukunft aus?

Felix: Ich persönlich denke, dass der technologische Fortschritt in den kommenden fünf Jahren sich ähnlich disruptiv auswirken wird, wie er es in den vergangen zehn Jahren getan hat. Wir sehen immer mehr Produkte für Endkonsumenten, die Ubiquitous Computing, also die Allgegenwärtigkeit von intelligentem Computing, mit sich bringen. Das können z.B. Persönliche Assistenten wie Cortana oder Alexa sein, mit denen wir auch in unserem Auto oder im Wohnzimmer interagieren. Diese Technologie steckt zwar nicht mehr unbedingt in den Kinderschuhen, aber die Grenzen sind hier noch lange nicht ausgereizt. Diese neuen Formfaktoren, die Ubiquitous Computing ermöglicht, werden unsere Interaktion mit Technologie und damit unsere Mediennutzung revolutionieren. Wir Kommunikatoren werden uns also wieder neue Wege suchen müssen, wie wir unsere Geschichten erzählen.

Pia: Lieber Felix, herzlichen Dank für das Gespräch.