Internationaler Frauentag: Tag der authentischen Heldinnen

Rose ist die Heldin des Hollywood-FGilms Titanic

Lesezeit: 3:22 Minuten.

In einigen Tagen, am 8. März, ist es mal wieder soweit – der Internationale Tag der Frau wird ausgerufen. Beschlossen wurde er bereits 1910 auf der „Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ in Kopenhagen. Seither gehen jedes Jahr Frauen auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Übrigens wurde während des Nationalsozialismus der Internationale Frauentag in Deutschland verboten und durch den Muttertag ersetzt.

Meine ketzerische Frage ist diese: Ist in der heutigen Zeit ein Internationaler Tage der Frau noch notwendig?

Was macht Frauen zu Heldinnen?

Betrachten wir nur einen einzelnen Aspekt hinsichtlich der Rolle der Frauen: Gibt es gute Geschichten von Heldinnen? Und was macht Frauen zu Heldinnen?

Erinnern wir uns, dass im Storytelling jede gute Geschichte – sei es ein Buch, ein Film oder ein Computerspiel – einen Helden, eine Hauptfigur benötigt, mit der sich das Publikum identifizieren kann. Gerade in der Literatur und in Hollywood-Streifen gibt es Beispiele von Heldinnen mit Frauenrollen, die im Mittelpunkt der Story stehen. Rollen, mit denen die Zuschauer(innen) mitfühlen und sich gleichsetzen.

Helden und Heldinnen sind Menschen, die als Vorbilder gelten. Es sind Menschen, die durch ihren Einsatz, ihr Leben anderen Mut geben, etwas vorleben, das zum Nachmachen anregt. Eine dieser Heldinnen ist Linda Carey vom Tutu-Projekt, einer Organisation, die an Brustkrebs erkrankte Frauen unterstützt. Sie gibt anderen Frauen und deren Familien und Freunden Lebensmut und finanzielle Unterstützung für Vorsorgeuntersuchungen, Aufklärung und Behandlung der Krankheit.

Sie ist ein Mensch, einen Frau, der wir auf der Straße begegnen. Sie ist weder Batman noch Superman oder Hulk. Wer genauer hinsieht, dem wird die Überzahl männlicher Superhelden auffallen. Oft sind Frauen nur schmückendes Beiwerk (James Bond). Oder brauchen Frauen keine Kunstfiguren wie Hulk oder Superman zu sein?

Jede Geschichte braucht eine Hauptfigur

Eine gute Geschichte zu schreiben ist nicht leicht. Gut, dass es einige Grundbausteine gibt, die eine erfolgreiche Geschichte ausmachen.

Im Mittelpunkt jeder Story steht eine Hauptfigur – eine Heldin bzw. ein Held. Warum ist eine Heldenfigur so wichtig? Die Hauptfigur übt als Projektions- und Identifikationsfigur eine entscheidende Rolle aus. Sie erfährt stellvertretend Schmerz, Kummer, Freude und Ängste. Sie bezieht Stellung und bewegt das Publikum, eine neue Sichtweise einzunehmen, ein Verhalten zu ändern oder zu überdenken. In der Regel muss der Hauptcharakter einer Story ein Problem bewältigen oder Widerstände überwinden.

Identifiziert sich das Publikum mit der Hauptfigur, der Heldin bzw. dem Helden einer Geschichte, so fällt es ihm schwer, dessen Haltung und Verhalten zu hinterfragen oder zu kritisieren. Daher haben Heldenfiguren einen so hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.

Oft wird die Heldenfigur zum Vorbild für das Publikum.

Hier wird nun interessant, welche Rollen wir zur Identifizierung in Romanen, Filmen oder Spielen finden. Meist sind es männliche Helden, heroische Kämpfer. Selten sind es starke Frauen, Heldinnen, denen wir nacheifern möchten.

Filme mit starken Frauen

Liebesfilme sind ein Genre, in denen gerade Frauen eine Hauptrolle spielen. Wir erinnern uns an große Hollywood-Filme wie Titanic, Pretty Woman und Dirty Dancing.

Rose, Heldin der untergehenden Titanic

Hier glänzen Frauen als Liebende – beispielsweise die wunderbar in einer Rückblende gezeigte Geschichte der der Titanic-Überlebenden Rose. In Realität heißt Rose Dorothy Gibson, die die an der Filmstory mitwirkte. Der Film zeigt die Heldin Rose, die sich gegen ihre Mutter und ihren Verlobten – gegen die Ansichten ihrer gehobenen Gesellschaftsschicht – auflehnt und der Liebe folgt. Der Film zeigt den Sieg der Liebe über gesellschaftliche Zwänge. Eine Liebe, die über den Tod hinausgeht.

Hier finden wir keine laut kämpfende, keine um sich schießende Heldin. Hier wird eine reale Figur, eine authentische Frauenrolle gezeigt. Vielleicht sind solche Heldinnen nicht so berühmt ihre männliche Gegenspieler, welche oft übermenschliche Vorstellungen verkörpern (z.B. Superman).

Aber muss denn jede Story mit weiblicher Hauptrolle zwangsläufig in einer Romanze enden? Auch wenn Hollywood es uns gern weismachen will: Unser Lebensglück hängt nicht davon ab, den richtigen Mann an uns zu finden.

Jenseits von Afrika

Vordergründig ist „Jenseits von Afrika” ein Liebesfilm, und doch so viel mehr. Der Hollywood-Film zeigt einen Teil des Lebens der dänischen Schriftstellerin Tania Blixen. Eine autobiografisch erzählte Geschichte einer Frau, die von Dänemark nach Afrika zieht, dort eine Kaffeeplantage aufbaut und sich in das Land, die Menschen und in Denys Finch Hatton – Weltenbummler, Jäger, Safari-Leiter und Sportflieger – verliebt. Die Heldin ist eine stille Heldin, die versucht in einer von Männern geprägten Gesellschaft zu überleben. Sie kämpft nicht laut, geht nicht auf die Barrikaden. Baronin Blixen setzt Zeichen in ihrem alltäglichen Leben, lässt eine Schule für auf ihrem Land lebende Afrikaner bauen. Obwohl sie die Helden ist, ist Karen Blixen eine Verliererin: sie verliert, ihren Mann, ihre Farm und ihren Geliebten. Was bleibt, ist neben dem Respekt ihrer Mitmenschen, ihre Erinnerungen.

Schauen Sie sich den Trailer von „Jenseits von Afrika” an:

 

Diese Rollen – wie gesagt habe ich hier exemplarisch nur einige wenige aufgezeigt – zeigen Frauen des Alltags. Es sind starke Frauen, denn sie leben trotz Schicksalsschläge weiter und „stehen ihre Frau”.

Wir alle sind Heldinnen

Brauchen wir wirklich übernatürliche Heldenfiguren mit Kräften wie Superman? Oder brauchen wir reale Vorbilder, Heldinnen des Alltags?

Zitat von Oliver Sacks, Neurologe
Wenn wir etwas über einen Menschen wissen wollen, fragen wir „Was ist seine Geschichte? – seine wirkliche, innerste Geschichte?“ – denn jeder von uns ist eine Biographie, eine Geschichte. Jeder von uns ist eine einzigartige Erzählung, die fortlaufend zusammengesetzt wird, unbewusst durch, mit und in uns – durch unsere Wahrnehmungen, unsere Gefühle, Gedanken, Handlungen; und, nicht zuletzt, unsere Rede, unsere gesprochenen Erzählungen. Biologisch gesehen, unterscheiden wir uns nicht so sehr voneinander; historisch gesehen, als Erzählung, ist jeder von uns einzigartig.“

Erinnern wir uns an die Trümmerfrauen, die Hausfrauen, Mütter, Menschen, die mit bloßen Händen zerbombte Städte wieder zum Leben erweckten. Denken wir an die Frauen in Afrika, Indien, weltweit, die uns Vorbilder sind und das Leben meistern.

Sind unsere Heldinnen nicht meistens namenlos? Welches sind Ihre Vorbilder und Heldinnen?