Snackable Digital Storytelling

Snackable Storytelling - mit Micro-Content zum Erfolg

Auf dem Digital Media Camp hielt ich einen Vortrag zum Thema Snackable Digital Storytelling. Dort versprach ich auch, meine Folien zur Verfügung zu stellen, was ich hiermit nun einhalte:-)

Digital Media Camp

In das verschneite München, genauer gesagt in das Hochaus des Süddeutschen Verlags, trafen sich vom 17. bis zum 18 Februar 2018 Journalisten, Medienmacher, Blogger, Social-Media-Interessierte und -Experten, Content- und Marketingfachleute, Autoren, Programmierer, Designer und viele mehr zum Digital Media Camp in München. Das Digital Media Camp ist ein Barcamp-artiges Treffen zur Diskussion und zum Austausch rund um digitale Medien, aktuelle Trends und Herausforderungen im Journalismus, initiiert vom Media Lab Bayern.

Zunächst einmal die Frage: Was ist Snackable?

Sie kennen doch sicherlich Snacks, also kleine mundgerechte leckere Dinge für Zwischendurch? Und sicherlich mögen Sie die auch, die kleinen Häppchen wie etwa Tapas?

Meist ist es nicht das Ziel von Snacks, dass sie ein Menü ersetzen. Vorrangig stillen sie als Zwischenmahlzeit den Hunger. Bei diesen Zwischenimbiss steht die Nahrungsaufnahme nicht als Hauptaktivität im Vordergrund, denn meist werden Snacks „nebenbei“ konsumiert. Popcorn zum Kinofilm, Chips während eines Spieleabends oder kleine mundgerechte Häppchen auf einem Stehempfang. Die kleinen Snacks werden so dargereicht, dass sie leicht mit der Hand und auch im Stehen – also ohne Tisch, Teller oder Gabel – konsumierbar sind. Sicherlich haben sie auch festgestellt, dass Snacks nahezu „süchtig“ machen können. Schnell verzehrt man so nebenbei ganze mit leckeren Kanapees gefüllte Platten.

Snacks, also kleine Zwischenmahlzeiten, funktionieren nach folgendem Prinzip: kleine Appetithäppchen werden quasi stehend und nebenher konsumiert.

Jörg Adams schreibt in seinem Digital Wiki zu Snackable Content treffend:

„Es muss auch in Sachen Information nicht immer ein 3-Gänge-Menü sein, um den Hunger danach zu stillen.“

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert Snackable Storytelling. In dem Vortrag Snackable Storytelling zeige ich, was Storytelling ist und wie dies auch seriell in kleinen Häppchen zubereitet und über Social-Media-Kanäle verbreitet werden kann.

Dann die Frage: Was ist Storytelling?

Laut Karolina Frenzel bedeutet Storytelling „Geschichten gezielt, bewusst und gekonnt einzusetzen.“

Ein weiterer Autor, Robert McKee, nennt zwei  Methoden, wie Informationen gebündelt werden:

  1. durch eine rationale Auflistung und Aneinanderreihung von Daten & Fakten
  2. emotional, durch eine Geschichte.

Mittels Geschichten, also Storys, können Informationen, Ideen, Werte, Erfahrungen und Aufforderungen zu Handlungen vermittelt werden. Geschichten zeichnen sich zusätzlich dadurch aus, dass sie in einen Anfang, einen spannungsgeladenen Mittelteil und einem Ende aufteilen. Jede Geschichte hat einen Hauptcharakter, einen Helden, der einen Konflikt bzw. eine Herausforderung meistert und schließlich verändert aus der Geschichte herausgeht.

Tipp: Lesen hierzu auch den Beitrag: Was braucht eine gute Story.

Serielle snackable Mikro-Geschichten

Serien sind interessant, da sie einerseits Platz für  mehrdimensionale Handlungen sowie ein Handlungsumfeld für komplexe Charaktere bieten. Sie sind ideal, da sie in kurzer Form  abgeschlossene Episoden erzählen, die in einander verschachtelt sind. So müssen beispielweise bei eingeführten Serien die Hauptdarsteller sowie das Spielraum (Scienceficton, Krimi, Liebesfilm etc.) nicht mehr eingeführt werden, da dies in der Startfolge geschieht. Häufig ist der Auftakt auch einen Serienfolge in doppeltem Längenumfang der nachfolgenden Serienteile. Der Vortiel seriellen erzählens liegt auf der Hand, denn gute funktionierende Serien haben ihren eigenen Fankreis, die auf eine Fortsetzung der Geschichte warten.

Die Ur-Serie: Tausendundeine Nacht

Bereits in der Literatur wurden serielle Erzählungen aufgegriffen, denken wir nur an „Tausendundeine Nacht“ in der sich Scheherazade mittels spannender nicht endend wollender verschachtelter Gesichten im Forsetzungsstil sich vor dem Tod rettete Rahmengeschichte). Ihr Publikum, König Schahriyar, wurde so in den Bann der fortlaufenden Geschichten gezogen, dass er Nacht für Nacht den Tod der Erzählerin (Storytellerin) hinausschob, da er das Ende der einzelnen Episoden noch nicht erfahren hat.

Castingsshows wie Got Talent und X Facor machen es vor

Ein weiteres Beispiel ist der serielle Charakter der Talentshow Got Talent, auch bekannt als X Factor. Ursprünglich wurde die britische Castingshow 2006 für eine Ausstrahlung im Fernsehen vom Musikproduzenten Simon Cowell entwickelt.

An der Show können Personen jeglichen Alters, einzeln oder in einer Gruppe, als Kandidaten teilnehmen, indem sie  eine selbst gewählte Fähigkeit, wie Tanzen, Singen oder auch Zaubern vor einer Jury und dem Publikum vorführen. Hat der Kandidat mit seinem Audtritt die Juroren mehrheitlich überzeugt, darf er in der nächsten Runde erneut auftreten.

Mittlerweile findet die Castingshow nahezu weltweit statt. Sie gelangt aber mehr und mehr ausschnittsweise mit dem Posten einzelner snackable Videos über Plattformen wie Youtube oder Facebook an Bedeutung.

Die Rahemengeschichte ist die des Castings, die der bekannten Juroen, der jeweiligen Performance. Zwichendurch werden je interessanten Kandidaten einzelne komplett Geschichten erzähl, die auch in kleinen Häppchen gut funktionieren. Hier werden in sich geschlossene emotionale Geschichten der Kandidaten erzählt.

Nehmen wir als Beispiel die Story der Kandidatin Evie Abplanalp, genannt Evie Clair. Als sie zum ersten Mal die Bühne von America’s Got Talent betrat, erzählte sie die Geschichte von ihrem Vater, bei dem war Krebs mit nur einer 5%-igen Überlebenschance diagnostiziert wurde. Clair glaubte an seine Chance, zu überleben und sang, um ihm ihre Liebe zu zeigen, Mit dieser Hintergrundstory, nicht nur erzählt, sondern viosuell perfekt inszeniert, rührte Claire die Herzen der Zuschauer. Ihr Vater erlag schließlich kurz vor dem Finale der Show, seiner Krankheit und die 16-Jährige Evie musste sich von ihrem geliebten Dad verabschieden.

 

Eine weitere Geschichte ist die von Emmanuel Kelly. Als er auf der Bühne des X-Factor Australia steht, wird er von der Jury nach seinem Alter gefragt. Es folgt Stille. Emmanuel kann die Frage nach seinem Alter nicht beantworten. Seine Lebensgeschichte bewegt: Emmanuel wurde in das vom Krieg zerrissenen Irak hineingeboren. Er und sein Bruder wurden als Babys von den von Eltern ausgesetzt. Die Brüder wuchsen in einem Waisenhaus auf, bevor sie von Moira Kelly gerettet und nach Australien gebracht wurden. Sie adoptierte die Geschwister. In den letzten 14 Jahren hat Emmanuel mehr als sechs Operationen überwunden. Emmanuel sagt und lebt nach folgendem Motto: „Man muss träumen, um die größten Ziele im Leben zu erreichen.”

Die Geschichten von Emmanuel und auch weiteren Casting-Kandidaten haben die Herzen von Millionen Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Sie verbreiten sich in kleinen Mikro-Storys viral um die Welt.

Betrachten wir weitere Beispiele serieller Geschichten wie den Stratoshärensprung von Felix Baumgartner: hier wurden einzelne Bereiche der Geschichte häppchenweise über verschiedene Kanäle crossmedial gestreut und in der Kommunikation von Red Bull immer wieder aufgegriffen.

Warum Snackable Storys wirken?

  • sind schnell
  • einfach verständlich
  • kurzweilig
  • immer (auch mobil) verfügbar
  • relevant
  • mit Mehrwert (nutzstiftend)
  • leicht teilbar
  • cRossmedial einsetzbar
  • leicht angefertigt

Mein Vortrag: Snackable Digital Storytelling

Die Slides zu Snackable Storytelling finden Sie als PDF hier:

Sketchnotes

Besonders freue ich mich über zwei Visuelle Geschichten (Sketchnotes), unabhängig voneinander als Zusammenfassung und Interpretation des Vortrags während meiner Session entstanden.

Sowie:

Anna-Katharina stelle mir ihre Sketchnote zur Session auch nochmals einzeln zur Verfügung:

Sketchnote von Anna-Katharina Lohre zu meiner Session "Snackable Digital Storytelling" auf dem #dmcmuc.

Sketchnote von Anna-Katharina Lohre zu meiner Session „Snackable Digital Storytelling“ auf dem #dmcmuc.

Aufruf:

Der Austausch kann ja auch außerhalb des Barcamps stattfinden! Daher freue ich mich sehr, über weitere Beispiele und Idee sowie einen regen Austausch zum Thema Snackable Storytelling.