Storytelling: Analog versus digital, multimedial, crossmedial oder transmedial

Egal ob eine Story analog, digital, transmedial oder crossmedial erzählt wird, wichtig ist, dass Sie Ihr Publikum erreichen. Beim Storytelling geht es in erster Linlen um Menschen und Emotionen.

Es ist aber auch ein Kreuz mit den Erzählarten im Bereich Storytelling: Analog, digital, multi-, cross- oder gar transmedial? Hauptsache irgendetwas mit Medien? Keine Bange, so vielfältig und zählreich die Möglichkeiten des Storytellings auch sind, ergeben sich hieraus neben der „Qual der Wahl” vor allem Chancen. Die Chance, genau die zutreffende Erzählart für das jeweilige Publikum auszuwählen.

Storytelling und seine Erzählarten

Egal wie Sie Ihre Story auch erzählen, bei Storytelling geht es um Menschen und Emotionen. Erzählarten: Analog versus digital, multimedial, crossmedial oder transmedial.

Storytelling, und damit auch visuelles Storytelling, lässt sich in verschiedene Möglichkeiten der Aufbereitung und Verbreitung unterscheiden. Der Einsatz neues Techniken ermöglicht neue Vorgehensweisen sowie neue Ausrichtungen von Geschichten. Storys lassen sich mittels vieler Elemente wie Text, Bild, Ton, Illustrationen, Animation oder Film, einzeln und miteinander kombiniert, erzählen. Erleben können wir Geschichten sowohl real, digital, als auch virtuell.

Analoges Erzählen

Analoges Storytelling ist das Erzählen einer Story, entweder interaktiv oder non-interaktiv, mittels realer (analoger) Hilfsmittel und Medien. Ein Beispiel für eine interaktive analoge Geschichte ist beispielsweise ein interaktives Schauspiel, in welcher das Publikum mit integriert wird. In München sah ich eine besondere Form des interaktiven Theaters, eine Improvisations-Oper. Die Gruppe führte eine Oper in drei Akten auf und holte sich für das Szenario, beispielsweise den Spielort, das Thema und mehr Input aus dem Publikum. Dort wird die Frage gestellt, woher die Zuschauer anreisen und der entfernteste Anreiseort wird als Handlungsort der Oper gewählt. Dann wird beispielweise gefragt, was wer denn gestern gemacht hat: Von Skifahren über Lesen bis zur Hochzeit. Es erfolgt eine Abstimmung per Handzeichen übet die wird die genannten Optionen und schon ist ein Handlungsthema vorhanden: Eine Hochzeit? In diesem Sinne trägt jede Person, die auf, hinter und vor der Bühne, zum Gelingen des Gesamtkunstwerks bei.

Video-Tipp: Schauen Sie sich das Video der Improvisationsoperngruppe LaTriviata auf Youtube an:

Digitales Storytelling

Obwohl Geschichten im Aufbau, den Themen und Charakteren archetypisch funktionieren, ist die Art und Weise wie wir Geschichten erzählen, einem steten Wandel von Geschmack, Trends, Kultur und auch technischen Möglichkeiten unterworfen.

Während Storytelling selbst als eine der ältesten Kommunikations- und Kunstformen angesehen wird, in welcher das Erzählen von Geschichten in allen Formen, also sowohl als mündliche, literarische, theatralische oder visuelle Erzählung, etc., gemeint ist, wird der Begriff Digital Storytelling (DST) verwendet, wenn im weitesten Sinne bei der Erzählung einer Geschichte – sowohl bei der Erstellung als auch bei der Verbreitung von Geschichten – digitale Technologien involviert sind.

Ob Fotografien, Zeichnungen, Augmented Reality oder 360-Grad-Videos, die Möglichkeiten digitaler Erzählkultur schafft sowohl neue Chancen als auch Herausforderungen für Storyteller. Oft steht der Begriff Digital Storytelling auch in Zusammenhang mit Multimedia Storytelling.

Dies ist der Box-Titel

Häufig wird zwischen den dramatischen Strukturen und Erzählformen zwischen linearen und nicht-lineraren Storytelling unterschieden:

  • Lineares Erzählen

Beim Lineare Geschichten, ob Buch, Film oder ein Podcast, entfaltet sich der Inhalt immer linear aufeinander aufbauend. Bleiben wir bei dem Beispiel eines Bilderbuches, so muss ein Kapitel nach dem anderen angeschaut werden, um die Geschichte zu verstehen.

Zwar kann der Erzähler mit Rückblicken, Szenenwechseln und allerlei anderen Finessen den Eindruck erwecken, dass man als Publikum hin und her springt, aber der Inhalt ist meist beginnend beim Anfang bis zum Ende aufeinander aufbauend. Bei einer non-interaktiven Story entsteht kein Austausch und keine Einflussnahme des Publikums. So erstellt der Storyteller beispielsweise eine Foto-Story, ohne Möglichkeit der Mitwirkung des Publikums, sowohl bei der Erstellung als auch bei der Präsentation (Auswahl der Fotos etc.).

  • Interaktives Erzählen

Bei interaktiven Geschichten ist das Publikum nicht passive und folgt dem vorgegebenen Ablauf, sondern er wird aktiv in die Geschichten mit einbezogen. Häufig wird dem Publikum Entscheidungsmöglichkeiten zur Wahl gestellt, die je nach Auswahl zu verschiedenen Abläufen und Varianten einer Story führen. Bekannt ist diese Erzählstruktur bereits seit Jahren ist der Game-Branche, so dass ein Spielablauf obwohl es mehrfach gespielt wird, dennoch „neu“ und interessant bleibt.

Tipp: Schauen Sie sich die besten Visual und Interactive Stories der New Yorker aus dem Jahr 2017 an.

Transmediales Storytelling

Transmediales Storytelling bietet dem Publikum die Möglichkeit interaktiv die Geschichten zu erleben und mit einzugreifen. Hierbei wird kollaborative Erzählformen, in der eine Community eine Geschichte mit entwickelt, immer spannender. Zusätzlich werden Geschichten in Teilbereiche auf unterschiedliche Kanälen, mindestens drei verschiedenen, erzählt. Im Gegensatz zum crossmedialen Storytelling werden die Teilbereich nicht einfach über diverse Kanäle gestreut, sondern plattformspezifisch erzählt.  Im Vergleich zu herkömmlichen Geschichten sind transmediale Storys nie linear, sondern nichtlinear, bei dem das Publikum die Geschichte in beliebiger Reihenfolge konsumieren kann.

Transmedia Storytelling ist also ein nicht lineares Erzählen, bei dem eine Geschichte nicht nur über mindestens drei unterschiedlichen Plattformen plattformgerecht erzählt wird, sondern hierbei spielt auch das Publikum eine große Rolle: Es wird mit in die Storywelt einbezogen und erhält Möglichkeiten, in die Geschichte einzugreifen und sie individuell zu erleben.

Nehmen wir das Beispiel Harry Potter: Viele Kinder kennen zunächst die Filme oder heute Computerspiele. Sie müssen erst auf die Tatsache hingewiesen werden, dass es auch Bücher gibt und diese der Ursprung waren. Die Webseite Pottermore macht ein ganzes StoryUniversum mittels Transmedia Storytelling erlebbar.

Crossmediales Storytelling

Crossmediales Storytelling: Häufig werden gleiche Inhalte über diverse Kanäle ausgespielt; dies wird auch als crossmediales Storytelling bezeichnet. Inhalte werden hierbei nicht kanalbespezifisch erzählt und produziert, sondern ein Format, etwa ein Video, über verschiedene Kanäle wie Facebook, Youtube und der eigenen Webseite veröffentlicht.

Multimediales Storytelling

Geschichten müssen nicht langweilig sein: großflächige Bilder, interaktive Grafiken, die Einbindung von Videos und Audios sowie ansprechend gestalteten Texten (Typografie) machen eine Geschichte zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. Multimediales Storytelling macht es möglich und nutzt zum Erzählen der Geschichte diverse Medien, die sie zu einer Story oder einem Erlebnis verbinden.

Beim digitalen und multimedialen Storytelling wird die Geschichte Online erzählt. Das Publikum kann sich Scrollen durch die Handlung navigieren. Diese Form der multimedialen Storys werden daher auch „Scrollytelling“ genannt, obwohl das Navigieren auch per Menue und Mouseklicks funktioniert. Als multimediale Erzählform ist sie technisch mit überschaubarem Aufwand umsetzbar. Dabei kann bei diesem Erzählformat sowohl das Design als auch die Art der Umsetzung völlig unterschiedlich sein. Einige Redaktion binden nicht nur multimediale Inhalte wie Audio, Video, Fotos und mehr ein, sondern sie bereiten ihre Inhalte auch interaktiv und crossmedial auf. Dadurch ermöglichen sie dem Publikum neue Einblicke und Blickwinkel in die jeweilige Story.

Die Multimedia-Story „Von Amor bis Tinder“ (Link ) möchte vor allem junge Menschen ansprechen. – Screenshot © Redaktionsnetzwerk Deutschland

Die Multimedia-Story „Von Amor bis Tinder“ möchte vor allem junge Menschen ansprechen. – Screenshot © Redaktionsnetzwerk Deutschland

Als Beispiel verweise ich gerne auf das Multimedia-Special des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) „Von Amor bis Tinder“. Sie behandelt begleitend zur Ausstellung „What is Love“ der Kunsthalle Bremen, wie sich unser Bild von der Liebe in den letzten Jahrhunderten gewandelt hat. Das Publikum muss nicht linear der Story folgen, sondern kann je nach Interesse in manche Teilbereiche tiefer hineinsehen und –horchen, Videos ansehen, von A zu D springen und mehr.