Storytelling und Politik beim Super Bowl 2017

Wie passt Storytelling und Politik mit Sport zusammen? Super Bowl 2017 zeigt es.

Storytelling und Politik im Sport? Selten war Super-Bowl-Werbung so politisch. Nicht jedem Sender gefiel das. Manche Unternehmen realisierten außergewöhnliche Storys, um gegen das US-Einreiseverbot und für Vielfalt und Chancengleichheit zu werben.

Herausforderung: Trumps Einreiseverfügung

Seit der amtierende US-Präsident Donald Trump ein Dekret über befristete Einreiseverbote für Bürger aus muslimisch geprägten Ländern aussprach, demonstrieren weltweit Menschen aktiv für demokratische Grundsätze wie Gleichheit und gegen Diskreminierung.

Nicht nur Bürger äußern ihren Unmut, sonder auch Unternehmen Unternehmen. Firmen wie Apple, Airbnb, Google, Microsoft und Intel, wenden sich offen und konkret gegen das Einreiseverbot. Sie betonen, dass Einwanderer u.a. zu vielen Innovationen in Amerika beigetragen hätten. Das Präsidentendekret sei diskriminierend und widerrechtlich.

Doch wie passen Storytellung und Politik mit Sport zusammen?

Auch aus der Sport-Welt kommt Widerstand gegen Trumps Politik. Während des Super Bowls 2017 äußerten viele Firmen in den Werbepausen Ihre Meinung, teilweise mit sehr interessanten Storytelling-Clips.  

Situation: Super Bowl und seine Werbepausen 

Die USA hat ein sportliches Highlight des Jahres. Den Super Bowl. Er hat in den USA den Stellenwert der Fußball-EM in Europa. Das Finale der National Football League erreicht in den Staaten regelmäßig die höchsten Fernseh-Einschaltquoten des Jahres. Wenn wundert’s, dass hier die teuersten Webeclips des Jahres gezeigt werden.

In diesem Jahr, während der ersten Tage der Trump-Regierung, waren auffällig viele Werbefilme mit gesellschaftskritischen Themen am Start. Nicht jedem Sender gefiel das. Ein Clip wurde sogar  vom TV-Sender Fox abgelehnt.

Mit Storytelling seine Meinung kundtun

Für einen großen Aufschrei sorgte der Spot des Baustoffunternehmens 84 Lumber. Ich fasse den Clip kurz für Sie zusammen:

  • Inhalt: Dieser Spot zeigt die Flucht einer mexikanische Mutter, die mit ihrer Tochter über die Grenze zu den USA flieht.
  • Einstieg: Der Spot fängt zunächst einfach an. Mutter und Kind wachen auf, ziehen sich an, nehmen Abschied.
  • Helden: Mutter und Tochter
  • Spannungsbogen:

In dem Film wird kaum gesprochen. Die begleitende Musik plätschert eher ruhig und gemächlich vor sich hin. Die Bildsprache ist eindringlich, lässt Nähe zu. Es werden Emotionen wachgerufen. Hier ein Lagerfeuer, dort eine Flasche mit Wasser, die jemand dem Kind reicht. Die Anstrengungen des „Gewaltmarsches“ werden in Momentaufnahmen skizziert: Eine Aufnahme von einem Feld in der Mittagshitze, dem Rennen, um einen Zug zu erhaschen, das Durchqueren eines reißenden Flusses, einsame Nächte am Lagerfeuer, der Natur bei Sturm, Sonne und Regen ausgesetzt.

Das Mädchen sammelt auf seinem Weg farbige Fetzen – dort einen Stück Plastik an einem Stacheldraht, hier ein Stoffrest vom Boden.

Als die beiden nach schwieriger Flucht die Demarkationslinie erreichen, stehen sie dort vor einer meterhohen Mauer. Der Mutter kommen die Tränen.

Die Enttäuschung ist beiden ins Gesicht geschrieben. Die Tochter schenkt der Mutter aus Trost die aus den gesammelten Fetzen gebastelte Amerika-Flagge. Die Flagge, die das Land der Möglichkeiten und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft symbolisiert. Verzweiflung.

  • Auflösung: Doch da ist ein Lichtblick. Der Wind pfeift um die Ecke. Ein großes Tor ist zu sehen. Ein Tor, das sich öffnen lässt und den Weg ins verheißungsvolle Land freigibt. Geschafft.
  • Perspektiven: Das ist ein Erzählstrang des Clips. Der Film zeigt jedoch zwei Perspektiven: die Erlebnisse der Auswanderer und einen Blick auf Bauarbeiter, die neues erschaffen, Wohnraum aufbauen.

Dies ist die lange Version des Films von etwa 5:44 Minuten. Der Film endet mit der Aussage:

The will to succeed ist always welcome here.  –  Der Wille zum Erfolg ist hier immer willkommen.

Selten war Super-Bowl-Werbung so politisch

Diese lange Original-Version der amerikanischen Baumarktkette 84 Lumber war dem Sender Fox aber zu kontrovers und wurde zensiert.

Während des Spiels durfte nur die Kurz-Version (1:30) (Link zum ausgestrahlten Kurz-Clip) – also der Beginn der Reise („The Journey Begins”)  – ausgestrahlt werden. In der zensierten Version endet der Clip vor der Mauer. Mutter und Tochter nehmen sich bei den Händen und es erscheint „See the conclusion at Journey84.com”. Als Cliffhänger eingesetzt zeigte das Unternehmen die lange Version mit der Auflösung im Web.

Laut Aussage der Firma, sollte die Aussage des Films nicht verfälscht werden. Die Aussage, dass Amerika ein Land der Möglichkeiten ist, genauso wie die Baufirma für die Realisierung von Gelegenheiten und Wünschen steht: „Our message is that America is the land of opportunity and 84 Lumber is the company of opportunity.”

Weitere Werbeclips mit poltischer Messsage.

Auch Firmen wie Coca-Cola, Butweiser und Airbnb nahmen sich in ihren Werbeclips der Themen Immigration und Vielfalt an.

Der Wortlaut des Airbnb Super Bowl Commercials 2017 (We Accept):

Be believe not matter who you are, where you are from, who you love, or who you worship, we all belong. The Worls is more beautifull the more you accept. #weaccept

Resümee:

Storytelling ist einen effiziente Möglichkeit, Werte, Einstellungen, Anschauungen und Emotionen zu transportieren. Ziel ist es einen Veränderung, einen neunen Blick, eine Erinnerung bei dem Publikum hervorzurufen. Klasse, wenn es Unternehmen auch einsetzen, um Positionen zu beziehen.