Visual Storytelling arbeitet mit der Kraft von Bildern

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Die Kraft von Bildern – und auch anderen visuellen Elementen wie Videos, Gifs, Grafiken und so weiter – wird in dem oft zitierten Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” auf den Punkt gebracht.

Frederick Barnard nutzte den Spruch „A picture is worth a thousand words“ bereits 1927 in einer Werbeanzeige und beschreibt in einer Metapher den Mehrwert von Bildern gegenüber reinen Texten. Er beschreibt, dass das menschliche Gehirn Sachverhalte mit einem Blick aufnehmen kann. Durch Bilder werden Inhalte in Höchstgeschwindigkeit vermittelt und kommuniziert. Und dies geschieht äußerst schnell und meist unbewusst. Selbst komplexe Bilder werden oft auf einen Blick erfasst und hinterlassen sofort einen Eindruck, der zu einer Meinung führt.

Bilder wirken schnell

Auf die Frage, warum gerade Schnelligkeit für den Einsatz von Visuals so relevant ist, gibt es zunächst nur eine Antwort: Die Konkurrenz schläft nicht, und wenn Sie es zuerst schaffen wollen, die Aufmerksamkeit Ihres Zielpublikums zu gewinnen, müssen Sie die Kunst beherrschen, in kurzer Zeit einen (prägenden) Eindruck zu hinterlassen.

Das macht zusätzlich den Einsatz des visuellenGeschichtenerzählenswirtschaftlich: Bilder haben die Fähigkeit, schneller Aufmerksamkeit zu erregen als Text und mehr Informationen in kürzerer Zeit zu vermitteln.

Erinnern Sie sich auch eher an einen Buchumschlag als an den Titel? Oder können eine exotische Frucht beschreiben, an ihren Namen erinnern Sie sich aber nicht? Im Vergleich zu Texten können Bilder wesentlich einfacher und schneller aufgenommen werden. Diese grundlegende Fähigkeit des Menschen trägt zu seinem Überleben bei. Zahlreiche Studien beweisen, wie wichtig der berühmte erste Eindruck ist. Es reichen bereits 100 Millisekunden aus, um einen ersten Eindruck vom Gegenüber unbewusst im Kopf zu bilden. [1]

„Zu verstehen, wie erste Eindrücke von Gesichtern sich bilden, ist ein Thema von bedeutendem theoretischen und praktischen Interesse, das noch wichtiger geworden ist durch die weite Verbreitung von Porträtfotos in den sozialen Medien’, schreiben die Forscher im Journal. Sie erstellten aus verschiedenen Einschätzungen von Befragten zu einer Person, deren Bild nur 100 Millisekunden zu sehen war, drei Faktoren: Zugänglichkeit, Dominanz und Jugendlichkeit/Attraktivität. Jeder Faktor ging mit zahlreichen Gesichtsmerkmalen einher, aber die stärksten Zusammenhänge konzentrierten sich überwiegend auf wenige Gesichtspartien.“ Zitiert nach n-tv.de: Was über den ersten Eindruck entscheidet.

Die Macht und Kraft von Bildern betont Bill Gates in diesem Zitat: "Wer die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe." #VisualStorytelling

Die Macht und Kraft von Bildern betont Bill Gates in diesem Zitat: Wer die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe.

Wer Die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe

Sicherlich kennen Sie folgende Situation auch: Sie sehen ein Bild und spontan – besser gesagt augenblicklich – entsteht eine emotionale Reaktion, etwa ein Lächeln oder ein unbestimmtes bedrückendes Gefühl, als ob Sie einen „Klos im Hals“ hätten. Solch tiefe Emotionen können Bilder in uns Menschen hervorrufen. Kein Wunder, dass visuelle Elemente eingesetzt werden, um Menschen bewusst und gezielt zu emotionalisieren und beeinflussen.

Besser als mit dem Zitat „Wer die Bilder beherrscht, beherrscht auch die Köpfe“ könnte man kaum ausdrücken, warum visuelle Kommunikation gerade in der schnellen mobilen Welt immer häufig Verwendung findet: Über unseren Sehsinn erfassen wir nicht nur schnell und effektiv, was um uns herum geschieht, wir orientieren uns so auch räumlich und nehmen unsere Mitmenschen wahr. Wir erkennen bekannte Gesichter, suchen in Gesichtern nach Emotionen oder „lesen“ die Körpersprache unseres Gegenübers. So bilden wir uns häufig eine Meinung, einen ersten Eindruck.

Das Gehirn versucht stets die erhaltenen Informationen in ein dreidimensionales (räumliches) Bild zu verwandeln. Auch wenn das wahrgenommene Objekt beispielsweise eine zweidimensionale Abbildung, eine Fotografie, ist. Andererseits vermag der Mensch visuelle Eindrücke zu abstrahieren. Er kann natürliche und reale Darstellungen in Symbole übersetzen und wiedererkennen.

Nichts anderes ist unsere Schriftsprache. Um die Bedeutung von bildhaften Symbolen zu erfassen, benötigen wir oft lediglich einen kurzen Blick. Dies ist für das Leben in der heutigen Zeit von Datenvielfalt und schneller mobiler Kommunikation wichtig. Die ursprünglich gesprochene Sprache wurde mit der Revolution des Buchdrucks von Gutenberg zunehmend zur Schriftsprache. Seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts scheint sich die Sprache mehr und mehr in eine audio-visuelle zu entwickeln.

Wir leben in einer Welt voller Bilder

Unabhängig von unserer realen Umwelt, leben wir auch in einer Welt mentaler Bilder – das sind Kopfbilder, die teilweise unsere Vorstellungen visualisieren, oder Ideenbilder, Simulationen, Erinnerungen und vieles mehr. In unseren Köpfen entstehen persönliche Bilder für Emotionen und abstrakte Begriffe, beispielsweise für verschiedene Stufen der Freundschaft, der Angst oder für Zufriedenheit und Freude.

Dies ist der Box-Titel
Bereits Aristoteles stellt fest: „Die Seele … denkt nie ohne bildliche Vorstellung.“

Bilder rufen Emotionen hervor

Zusammenfassend gesagt, sind visuelle Inhalte so einflussreich, weil sie Emotionen hervorrufen, Meinungen bilden, schnell erfassbar sind, Informationen transportieren, einen hohen Wiedererkennungswert haben, sich im Gedächtnis verankern, Orientierung in unsere Umwelt bringen und in unserer Welt dominieren.

Visuelle Informationen gelangen nicht nur rasend schnell in unser Gehirn, sie werden dort auch schnell verarbeitet. Stellen Sie sich vor, wie ein Dutzend Bilder in Sekundenbruchteilen vorbeifliegt. Ein Team von Neurowissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology hat herausgefunden, dass das menschliche Gehirn Bilder, die das Auge nur 13 Millisekunden [2] lang sieht, verarbeiten kann.

Bilder sind wirksam

Visuelle Medien hinterlassen beim Publikum einen nachhaltigeren Eindruck, da etwa 65 Prozent der Menschen als „visuell Lernende“ bezeichnet werden können. [3] Setzt man Visuals als Instrument der visuellen Kommunikation bewusst ein, lassen sich Themen nicht nur sichtbarer und konkreter, sondern gleichzeitig auch erleb- und verstehbar gestalten. Darüber hinaus können Visuals motivieren, den Blick schärfen und fokussieren, Kräfte bündeln und vieles mehr.

In der Studie haben Forscher Probanden gebeten, nach einem bestimmten Bildtypen wie „Picknick“ oder ein „lächelndes Paar“ innerhalb einer Serie von sechs oder zwölf Bildern zu suchen, die jeweils zwischen 13 und 80 Millisekunden lang präsentiert wurden. [2] Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie wenig Zeit 13 Millisekunden sind, nenne ich Ihnen nur zwei wirklich schnelle Dinge, die langsamer sind als die Fähigkeit, ein Bild zu erkennen und zu verarbeiten:

  • Die Reise des Sonnenlichts zur Erde dauert etwa 8 Minuten.
  • Ein Augenzwinkern benötigt 300 Millisekunden.

[1] Studie von Tom Hartley und Kollegen von der Universität York in Großbritannien: Modeling first impressions from highly variable facial images

[2] In the blink of an eye: MIT neuroscientists find the brain can identify images seen for as little as 13 milliseconds

[3] Jutta Arrenberg, Susann Kowalski: Lernen Frauen und Männer unterschiedlich? Eine Studie über das Lernverhalten von Studierenden