Warum Menschen Geschichten erzählem?

Storytelling als Methode, um Wissen zu überliefern

Unter Storytelling versteht man heutzutage eine Methode, um gesammeltes Wissen an nachfolgende Generationen zu überliefern: Am Lagerfeuer wurden die besten Jagdgründe, Wege durch die Wüsten oder Auseinandersetzungen mit dem Nachbarland erzählt. Oft liegen Legenden, Gerüchte oder das sogenannte „Seemannsgarn“ nahe beieinander. Oft wurden früher mittels visueller „Sprache“ Informationen ausgetauscht – also Geschichten erzählt.

Erste Zeugnisse liefern Höhlenbilder, wie die ca. 40.000 Jahre alten Malereien in einer Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi. Sie sind genauso alt wie ähnliche Funde in Spanien und Frankreich. Sehen Sie sich dazu das Nature-Video „Cave art in the tropics“an.

Das bedeutet, dass (visuelles) Storytelling nicht „plötzlich“ in Europa auftrat und begann; diese Überlieferungsform von Wissen wurde an mehreren Orten der Welt zur gleichen Zeit entwickelt.

Bedeutet Storytelling gleich Geschichten erzählen?

Storytelling ist eine sehr ansprechende Methode, denn Geschichten sprrechen das limbische System im Gehirn an. Denn dort befindet sich der Bereich des Gehirns, in dem sich Aufmerksamkeit bildet und Emotionen mit Erinnerungen verbunden werden. Besonders gut verarbeitet das Gehirn Storys, da sie das Gehirn mit gut zu verarbeitenden Informationen versorgen. Laut Hans-Georg Häusel beruht Storytelling auf „der Annahme, dass unser Gehirn keine Abbilder von Objekten und Vorgängen speichert, sondern Strukturen von Unterelementen, die immer wieder gemeinsam auftauchen.″

Das Zauberwort heißt Muster

Wie gesagt ist Storytelling nicht neu. Unser ganzes Leben dreht sich um Storys. Wer kennt das nicht, wenn Kinder nach ihrer Herkunft fragen? Als Kind hören wir gerne die Geschichten über unseren Ursprung – wie unsere Eltern sich kennenlernten und ineinander verliebten, wie man als Baby im Bauch der Mutter heranwuchs, Geschichten über das erste Geburtstagsfest, den ersten Urlaub und vieles mehr. Das zeigt, wie wichtig Geschichten für uns Menschen sind, denn mithilfe dieser Geschichten und Erzählungen definiert sich der Mensch und entwickelt seine eigene Identität und Historie.

 

Warum erzählen Menschen eigentlich Geschichten?

Lewis Carroll fand darauf folgende Antwort: „Erklärungen brauchen immer so schrecklich lange.“

Damit drückte er auch aus, dass sie schrecklich langweilig und langatmig, unspannend und uninteressant sein können. Dies gilt es zu vermeiden. Und zwar bei jeder erzählten Geschichte. Bedenken Sie, dass streng genommen jeder Mensch ein Erzähler ist. Selbst die Lalllaute im Kleinkindalter sind Vorformen des Erzählens. Und auch im Erwachsenenalter definieren wir uns durch Geschichten: Wir folgen den Lebensgeschichten der Stars und versuchen an deren Leben und vermeidlichem Erfolg teilzuhaben. Teilhaben, indem wir Kleidung oder Frisur imitieren, den gleichen Hobbys nachgehen oder Orte besuchen, an denen sich diese prominenten Personen aufhalten. Wenn man es genau nimmt, ist ein Lebenslauf einer Bewerbung oder auch das Bewerbungsgespräch nichts anderes als Storytelling: Man erzählt über sich, seinen Werdegang und seine Ausbildung mit dem Ziel, eine Anstellung zu erhalten.